Schule

Schule ist Alltagsleben mit Gleichaltrigen und Freunden

Jedes Jahr schwingen sie sich aufs Rad, um akut erkrankten krebskranken Kindern und Jugendlichen Mut zu machen. Die Regenbogenfahrer der Deutschen Kinderkrebsstiftung wissen wovon sie sprechen, wenn sie die Kinder und ihre Familien in den Kliniken besuchen. Sie waren selber einmal krank und haben es nun zurück ins Leben geschafft.

Nun haben wir sie gefragt:

  • Wie ging es Euch eigentlich damals in der Schulzeit?
  • Woran erinnerst Du Dich?
  • Wie bist Du in Kontakt geblieben mit Deinen Lehrern, Klassenkameraden und dem Unterrichtsstoff?
  • Was war besonders schwer, und was hat oder hätte Dir geholfen?

Einige der Radler haben uns lange Briefe als Antworten geschickt und erinnern sich noch sehr gut daran, wie es damals für sie war.

 

 

Regenbogenfahrer erzählen, wie es ihnen in der Schulzeit ergangen ist.

Inniger Wunsch: Den Anschluss behalten

Aus allen Rückmeldungen liest sich heraus, welche wichtige Rolle die Schule für krebskranke Kinder und Jugendlichen einnimmt. Schule ist ein Stück Normalität, sie ist das Leben davor und danach. Und vor allen Dingen ist sie der Kontakt zu Gleichaltrigen und Freunden.

Für ältere Kinder ist sie auch eine Motivation „dran zu bleiben“ und den Abschluss zu erreichen. Unabhängig vom Alter wundert es nicht, dass das Wiederholen der Klasse aufgrund von krankheitsbedingten Fehlzeiten große Sorgen auslöst, die das Kind während der Behandlung zusätzlich belasten.

Auch wenn die Krebserkrankung und ihre Behandlung zunächst den Alltag vollständig einnehmen, so kommen früher oder später Sorgen auf, den Anschluss zu verlieren. Dahinter steckt oft der innige Wunsch dabeibleiben zu wollen und weiter dazu zu gehören.

Die Tagwolke zeigt, was die ehemaligen Patienten als hilfreich erlebten.

Gesten und praktische Hilfen zählen

Alles, was vom Umfeld dafür getan wird, dies zu ermöglichen, wird von den ehemaligen Patienten als hilfreich erlebt. Das sind einerseits Gesten der Zugehörigkeit, des Nichtvergessenseins, wie Briefe und Geschenke aus der Klasse, E-Mails, Anrufe und Besuche zu Hause von Lehrern oder Mitschülern, in denen ehrliches Interesse und offene Anteilnahme deutlich wird.

Aber auch die Möglichkeiten am Unterricht teilzuhaben, gehören dazu: Das besondere Engagement der Klassenlehrer, sensible Rücksichtnahme auf den aktuellen Zustand, individuelle Lösungen rund um Prüfung, Benotung und Fehlzeiten statt starres Einhalten von Strukturen.

Wichtig war auch, dass Unterrichtsinhalte mit verfolgt werden konnten, weil Mitschüler mitgeschrieben haben, Aufgaben per Post oder Mail geschickt wurden, Haus- oder Klinikunterricht stattgefunden und regelmäßig über das Geschehen in der Klasse berichtet wurde.

Manchmal liegen Steine im Weg

Doch leider werden auch Erfahrungen geschildert, die durchklingen lassen, wie schwer es manchmal sein kann, als Schüler krebskrank zu sein. So berichtet eine Schülerin beispielsweise, dass ihr die Schule eher Steine in den Weg gelegt habe. Schon zu Beginn wurde ihr prophezeit, dass sie die Klasse wiederholen müsse, und auch die Teilnahme an der Abschlussfahrt wurde kategorisch verweigert.

Glücklicherweise gab es einen Elternverein vor Ort, der sie nicht nur durch Aufklärungsarbeit in der Klasse unmittelbar unterstützt hat, sondern auch durch die Finanzierung einer Krankenschwester ermöglicht hat, sodass sie doch mit auf Klassenfahrt fahren konnte.

Andere berichten von mangelnder Kommunikation zwischen Heimat- und Klinikschule und innerhalb der Lehrerschaft, Unverständnis gegenüber der „Sonderrolle“ als Patient, von Mobbing, von fehlendem Kontakt zur Klasse, von der Herausforderung sich aufgrund der Fehlzeiten und therapiebedingten Schwierigkeiten in der Stufe darunter mit lauter neuen Kontakten zurechtzufinden. Auch der Haus- oder Klinikunterricht wurde oft als nicht ausreichend erlebt, da nur die Grundfächer unterrichtet wurden, er zu selten stattfand oder die Lehrkraft nicht für den alters- oder schulformgerechten Lehrstoff ausgebildet war.

Es ist eindrucksvoll, was die nun jungen Erwachsenen in ihrer Schulzeit zusätzlich zu ihrer Erkrankung leisten und aushalten mussten.

 

Ein Appell an alle, die als Lehrer, Mitschüler oder Eltern gerade ein krebskrankes Kind kennen:

Bleibt im Kontakt, ermöglicht ein Gefühl der Verbundenheit, auch wenn es zu langen Fehlzeiten kommt! Holt Euch Informationen rund um Krebs und die Behandlung ein, redet offen in der Klasse darüber und fragt auch bei dem erkrankten Kind und seiner Familie einfach nach, wenn Euch was unklar ist.

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