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Hirntumoren bei Kindern – eine große Herausforderung
Münster – Hirntumoren haben trotz medizinischer Fortschritte im Vergleich zu anderen bösartigen Erkrankungen im Kindesalter noch immer eine relativ ungünstige Prognose. Diagnostik, Behandlung und Nachsorge seien durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Therapiestudien und Referenzzentren in dem von der Deutschen Kinderkrebsstiftung seit dem Jahr 2000 geförderten bundesweiten Behandlungsnetzwerk HIT zwar deutlich verbessert worden, zufriedenstellend seien die Heilungsaussichten aber noch nicht, erklärte der leitende Oberarzt für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie am Universitätsklinikum Münster, Prof. Dr. Dr. Michael Frühwald, am Wochenende in Münster.
Frühwald äußerte sich anlässlich der HIT-Netzwerktagung „Hirntumoren im Kindes- und Jugendalter“. „Miteinander und Voneinander lernen“ ist der Leitgedanke der Tagung, bei der ein intensiver Dialog zwischen Betroffenen und Experten stattfindet. An der zweitägigen, in dieser Form einzigartigen Informations- und Diskussionsveranstaltung, mit deren wissenschaftlichen Leitung Frühwald von der Deutschen Kinderkrebsstiftung beauftragt war, nahmen rund 450 Ärzte, Wissenschaftler, Mitarbeiter der psychosozialen Behandlungsteams sowie Patienten und Angehörige aus ganz Deutschland und auch Gäste aus dem benachbarten Ausland teil.
Als großes Problem werten die Ärzte, dass viele Symptome bei Kindern noch immer nicht rechtzeitig als Hinweis auf einen Hirntumor erkannt würden. Das liege insbesondere daran, dass typische Anzeichen wie Kopfschmerzen oder Übelkeit, Erbrechen, Abgeschlagenheit oder Müdigkeit oft nicht als Hinweis auf eine mögliche Hirntumorerkrankung wahrgenommen würden, weil sie auch bei vielen anderen Krankheiten auftreten können.
Unter anderem trage eine verzögerte Diagnose zu einer vergleichsweise niedrigen Heilungsquote bei, erklärte Prof. Dr. Stefan Rutkowski von der Klinik für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie am Universitätskinderklinikum Hamburg. Diese liege bei bestimmten Tumorarten unter 50 Prozent und damit weit unter der durchschnittlichen Heilungsrate aller Krebserkrankungen bei Kindern. Als vorrangige Ziele für die kommenden Jahre bezeichnete der Sprecher des HIT-Netzwerkes unter anderem eine verbesserte frühzeitige Zuordnung in den richtigen Therapieweg sowie strukturelle Verbesserungen im Netzwerk. Ziel aller Bemühungen müsse nicht nur eine Erhöhung der Lebenserwartung, sondern auch eine Optimierung der Lebensqualität sein. Das Hit-Netzwerk mit seinem studienübergreifenden Ansatz ist nach Einschätzung Rutkowskis weltweit einzigartig und habe in den letzten zehn Jahren für die Patienten enorme Verbesserungen gebracht.
Nach Angaben des Deutschen Kinderkrebsregisters erkranken jährlich rund 400 Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren an einem Hirntumor, von denen rund 90 Prozent im Rahmen des Behandlungsnetzwerkes HIT behandelt werden. Die Deutsche Kinderkrebsstiftung, die 1995 vom Dachverband der „Deutschen Leukämie-Forschungshilfe – Aktion für krebskranke Kinder“ gegründet wurde, unterstützt das HIT-Netzwerk jährlich mit mehr als einer Million Euro.
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