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Frühwald: Fortschritte bei der Behandlung von Hirntumoren
Bonn – Bei der Diagnostik und Behandlung von Hirntumoren bei Kindern und Jugendlichen setzen Experten große Hoffnungen auf die neuen bildgebenden Verfahren. Es sei durchaus denkbar, in den nächsten Jahren die Artdiagnose eines Tumors auch ohne Operation zu stellen und ihn vielleicht schon vor der Operation spezifischer behandeln zu können“, sagte der Münsteraner Kinderonkologe Prof. Dr. Dr. Michael Frühwald in einem am Freitag in Bonn vorab veröffentlichten Interview der von der Deutschen Kinderkrebsstiftung herausgegebenen Zeitschrift WIR.
Grund zum Optimismus geben nach Einschätzung Frühwalds, der zu den führenden Kinderonkologen Deutschlands zählt, auch Fortschritte in der Neurochirurgie, der Strahlen- und medikamentösen Therapie. Mit Hilfe eines fluoreszierenden Farbstoffs etwa ließen sich Tumorzellen spezifisch darstellen und besser entfernen. Vielversprechend im Sinne der Risikoreduktion sei auch die Protonentherapie, deren Stellenwert in der Bestrahlung von Hirntumoren des Kindesalters aber noch durch größere Studien zu belegen ist. Grundsätzlich würde sich dadurch eine Möglichkeit bieten, kleinere Kinder früher zu bestrahlen, ohne schwere Schäden zu verursachen.
Trotz vielfältiger medizinischer Fortschritte seien die Heilungsaussichten von Kindern mit Hirntumoren aber noch immer vergleichsweise ungünstig. Während bei älteren Kindern und Jugendlichen spezifische Symptome wie Kopfschmerzen und neurologische Ausfälle schnell zu einer Diagnose führten, treffe dies bei Säuglingen und Kleinkindern deutlich weniger zu. Hinzu komme, dass sie bei der Chemo- und Strahlentherapie wenig belastbar und Operationen generell mit einem höheren Risiko behaftet seien. Aber auch wenn der Tumor wirksam bekämpft werden könne, litten die Kinder und Jugendlichen oft lebenslang unter den Folgen der Erkrankung, die durch Schäden der betroffenen und der benachbarten Hirnstrukturen verursacht werden.
Frühwald plädierte dafür, in der Forschung „vorhandene Ressourcen optimal zu nutzen“. Vor allem gelte es nationale und internationale Netzwerke zu schaffen und die Forschungsaktivitäten zu koordinieren. Hier biete das von der Deutschen Kinderkrebsstiftung initiierte interdisziplinäre und bislang mit 8,85 Millionen Euro geförderte HIT-Netzwerk ein weltweit einzigartiges positives Beispiel. Durch die Zusammenarbeit der verschiedenen Referenz- und Kompetenzzentren sei es gelungen, die Expertise für die verschiedenen Hirntumoren zu bündeln und auf das höchste Niveau zu heben.
In Deutschland erkranken jährlich rund 2.000 Kinder und Jugendliche neu an Krebs, 400 davon an Hirntumoren. Die überwiegend aus Spenden finanzierte Deutsche Kinderkrebsstiftung, die 1995 vom Dachverband der „Deutschen Leukämie-Forschungshilfe - Aktion für krebskranke Kinder“ gegründet wurde, steht krebskranken Kindern und ihren Familien mit Rat und Tat zur Seite und setzt sich dafür ein, dass Heilungschancen, Behandlungsmethoden und die Lebensqualität krebskranker Kinder ständig weiter verbessert werden.
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