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Hodgkin-Lymphom (Kurzinformation)
Hodgkin-Lymphom (Kurzinformation)
Die nachfolgenden Informationen sind übernommen vom Informationsportal www.kinderkrebsinfo.de – hier auch Glossar, Literaturdatenbank und weitere Informationen zu Krebs bei Kindern und Jugendlichen.
Autor: Dipl.-Biol. Maria Yiallouros, erstellt am: 05.02.2009, Freigabe: Prof. Dr. med. Christine Mauz-Körholz, Zuletzt geändert: 16.11.2012 doi:10.1591/poh.patinfo.mh.kurz.20101216 , Kurz-URL: www.kinderkrebsinfo.de/Hodgkin-Lymphom_Kurzinfo
Inhaltsverzeichnis
Krankheitsbild
Das Hodgkin-Lymphom, auch Morbus Hodgkin, Hodgkin’sche Erkrankung, Lymphdrüsenkrebs oder Lymphogranulomatose genannt, ist eine bösartige (maligne) Erkrankung des lymphatischen Systems [lymphatisches System]. Die Krankheit gehört zu den malignen Lymphomen.
Der Begriff „malignes Lymphom“ bedeutet wörtlich übersetzt „bösartige Lymphknotengeschwulst“. In der medizinischen Fachsprache ist damit eine große Gruppe von Krebserkrankungen gemeint, die von Zellen des lymphatischen Systems (Lymphozyten) ausgehen und als ein Hauptmerkmal Lymphknotenschwellungen (Lymphome) hervorrufen können.
Maligne Lymphome werden in zwei große Gruppen unterteilt: das Hodgkin-Lymphom (Morbus Hodgkin), benannt nach dem Arzt und Pathologen Dr. Thomas Hodgkin, und die Non-Hodgkin-Lymphome (NHL). Eine Unterscheidung dieser beiden Krankheitsformen ist nur durch die Untersuchung von befallenem Gewebe möglich.
Der Morbus Hodgkin entsteht durch eine bösartige Veränderung (Entartung) der B-Lymphozyten, einer Gruppe weißer Blutkörperchen (Blutzellen), die sich vor allem in den lymphatischen Geweben aufhalten. Ein Hodgkin-Lymphom kann daher überall dort im Körper entstehen, wo sich lymphatisches Gewebe befindet. Am häufigsten sind die Lymphknoten betroffen, aber auch andere Organe wie Leber, Knochenmark, Lunge oder Milz können, vor allem in fortgeschrittenen Krankheitsstadien, befallen sein. Unbehandelt verläuft das Hodgkin-Lymphom meist tödlich.
Häufigkeit
In Deutschland erkranken nach Angaben des Deutschen Kinderkrebsregisters (Mainz) pro Jahr etwa 90 Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 14. Lebensjahr neu an einem Hodgkin-Lymphom. Die Gesamtzahl der Patienten (bis zum vollendeten 18. Lebensjahr) liegt, nach Angaben der Morbus Hodgkin-Studienzentrale in Halle, bei jährlich etwa 150. Damit macht das Hodgkin-Lymphom etwa 5 % der bösartigen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter aus.
Säuglinge und Kleinkinder (bis zum dritten Lebensjahr) sind von einem Hodgkin-Lymphom selten betroffen; mit zunehmendem Alter wird die Krankheit allmählich häufiger. Der Häufigkeitsgipfel liegt im Erwachsenenalter: Erwachsene erkranken etwa zehnmal häufiger als Kinder und Jugendliche. Bei den Kindern und Jugendlichen wiederum sind Jungen etwas häufiger betroffen als Mädchen.
Formen des Hodgkin-Lymphoms
Aufgrund von Unterschieden im mikroskopischen Erscheinungsbild lassen sich beim Hodgkin-Lymphom fünf Formen der Erkrankung unterscheiden. Vier davon werden unter dem Begriff „klassisches Hodgkin-Lymphom“ zusammengefasst.
- Lymphozyten-Prädominantes Hodgkin-Lymphom (LPHL)
- Klassisches Hodgkin-Lymphom:
- Nodulär-sklerosierender Typ (NS)
- Lymphozytenreicher Typ (LR)
- Mischtyp (MC)
- Lymphozytenarmer Typ (LD)
Die verschiedenen Formen des Hodgkin-Lymphoms treten unterschiedlich häufig auf und weisen zum Teil auch Unterschiede im Krankheitsverlauf und in ihrer Heilbarkeit auf.
Ursachen
Die Ursachen für die Entwicklung eines Hodgkin-Lymphoms sind bisher nicht geklärt. Zwar weiß man, dass die Krankheit durch bösartige Veränderung von Zellen des lymphatischen Systems entsteht und dass diese Entartung mit Veränderungen im Erbgut der Zelle einhergeht. Warum genetische Veränderungen auftreten und warum sie bei manchen Kindern zur Erkrankung führen, bei anderen nicht, ist unbekannt. Nach heutigem Wissen müssen verschiedene Faktoren zusammenwirken, bevor ein Hodgkin-Lymphom entsteht.
Da die meisten Erkrankungsfälle innerhalb der weißen Bevölkerung auftreten, scheinen ethnologische und genetische Ursachen eine Rolle zu spielen. Bekannt ist auch, dass Kinder mit bestimmten angeborenen Erkrankungen des Immunsystems (zum Beispiel Wiskott-Aldrich-Syndrom, Louis-Bar-Syndrom) oder einem erworbenen Immundefekt (beispielsweise durch eine HIV-Infektion) ein erhöhtes Risiko haben, an einem Morbus Hodgkin zu erkranken. Darüber hinaus scheint bei manchen Patienten eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EPS), dem Erreger des Pfeiffer-Drüsenfiebers, bei der Krankheitsentstehung von Bedeutung zu sein. Ob bestimmte Umweltgifte (zum Beispiel Pestizide) einen Einfluss auf die Entstehung eines Hodgkin-Lymphoms haben, ist Gegenstand von Untersuchungen. Bei den meisten Patienten sind allerdings keine krankheitsbegünstigenden Faktoren bekannt.
Symptome
Morbus Hodgkin beginnt schleichend. Erstes Krankheitszeichen (Symptom) sind meist ein oder mehrere vergrößerte Lymphknoten, die sehr langsam wachsen und in der Regel keine Schmerzen verursachen. Vergrößerte Lymphknoten können im Hals- und Nackenbereich (häufigster Sitz), in der Achselhöhle, in der Schlüsselbeingrube (über dem tastbaren Schlüsselbein), in den Leisten oder an mehreren Stellen gleichzeitig festgestellt werden. Die Krankheit kann auch in Lymphknotenregionen beginnen, die von außen nicht sichtbar oder tastbar sind, zum Beispiel hinter dem Brustbein oder im Bauch- und/oder Beckenraum, dort beispielsweise entlang der Wirbelsäule.
Sind Lymphknoten im Brustraum betroffen, zum Beispiel im so genannten Mediastinum, dem Raum zwischen den beiden Lungenflügeln, kann es durch zunehmenden Druck auf die dort liegenden Organe (Lunge, Luftröhre) zu Reizhusten oder Atemnot kommen. Befallene Lymphknoten im Ober- oder Unterbauch können Schmerzen, Druckgefühl oder Durchfälle verursachen. Seltener sind Milz und Leber durch den Befall mit Lymphomzellen vergrößert (Splenomegalie bzw. Hepatomegalie). Wenn das Knochenmark befallen ist, kann auch die Zahl der roten Blutzellen erniedrigt sein, was zu einer Anämie führen kann. Dies kommt jedoch nur sehr selten vor.
Daneben können allgemeine (unspezifische) Krankheitssymptome wie Fieber, Gewichtsverlust, Nachtschweiß und Mattigkeit auftreten. Die drei erstgenannten Symptome kommen bei Patienten mit einem Hodgkin-Lymphom häufig gemeinsam vor und werden als B-Symptome bezeichnet.
Die häufigsten Symptome sind in der folgenden Übersicht zusammengefasst:
Allgemeinsymptome
- Fieber unklarer Ursache (über 38°C) [B-Symptom]
- starker Nachtschweiß [B-Symptom]
- unerklärbarer Gewichtsverlust (mehr als 10 % in sechs Monaten) [B-Symptom]
- Müdigkeit, allgemeine Abgeschlagenheit und Lustlosigkeit, Appetitlosigkeit, Krankheitsgefühl
- Starker Juckreiz am ganzen Körper
Spezifische Symptome
- Schmerzlose, tastbare, oberflächliche Lymphknotenschwellungen (bei über 90 % der Patienten), zum Beispiel im Hals- und Nackenbereich (häufigster Sitz), in der Achselhöhle, in der Schlüsselbeingrube (über dem tastbaren Schlüsselbein), in den Leisten oder an mehreren Stellen gleichzeitig
- Chronischer Husten, Atembeschwerden: bei Befall von Brustlymphknoten, Lunge oder Rippenfell
- Bauchschmerzen, Rückenschmerzen, Druckgefühl oder Durchfall: bei Befall von Lymphknoten oder anderen Organen im Bauchraum, zum Beispiel Milz und Leber
- Hautblässe durch Mangel an roten Blutzellen (Anämie: bei Befall des Knochenmarks
- Knochen- oder Gelenkschmerzen: bei Befall der Knochen
- Neigung zu punktartigen Blutungen (Petechien) durch Mangel an Blutplättchen
Die Krankheitszeichen eines Morbus Hodgkin entwickeln sich meist relativ langsam, das heißt im Laufe von Wochen oder Monaten. Sie können individuell sehr verschieden beziehungsweise unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Das Auftreten eines oder mehrerer dieser Krankheitszeichen muss allerdings nicht bedeuten, dass ein Hodgkin-Lymphom vorliegt. Viele dieser Symptome können auch bei vergleichsweise harmlosen Infektionen und Erkrankungen auftreten, die mit einem Hodgkin-Lymphom nichts zu tun haben. Vor allem bei Kindern beruhen Lymphknotenschwellungen meist auf Infekten, insbesondere mit Viren. Bei Beschwerden (zum Beispiel anhaltendem Husten) ist es jedoch ratsam, so bald wie möglich einen Arzt zu konsultieren, um deren Ursache zu klären.
Diagnose
Findet der (Kinder-)Arzt durch Krankheitsgeschichte (Anamnese) und körperliche Untersuchung, möglicherweise auch durch eine Blut-, Ultraschall- und/oder Röntgenuntersuchung Hinweise auf ein Hodgkin-Lymphom, wird er den Patienten in ein Krankenhaus überweisen, das auf Krebs- und Bluterkrankungen bei Kindern und Jugendlichen spezialisiert ist (Klinik für pädiatrische Onkologie/Hämatologie). Denn bei Verdacht auf Morbus Hodgkin sind umfangreiche Untersuchungen notwendig, zunächst um die Diagnose zu sichern, dann aber auch um festzustellen, um welche Form des Hodgkin-Lymphoms es sich handelt und wie weit sich die Erkrankung im Körper ausgebreitet hat (so genannte „Staging“-Untersuchungen).
Gewebeentnahme: Die Diagnosestellung erfolgt in erster Linie durch die Entnahme und Untersuchung eines befallenen Lymphknotens oder eines anderen befallenen Gewebes (Biopsie). Die Untersuchung der Gewebeproben erlaubt eine genaue Aussage darüber, ob und, wenn ja, an welcher Form des Hodgkin-Lymphoms der Patient erkrankt ist. Die Kenntnis der Unterform kann bei der Behandlungsplanung eine Rolle spielen.
Untersuchungen zur Ausbreitung der Erkrankung: Liegt tatsächlich ein Morbus Hodgkin vor, so ist es für die Behandlungsplanung wichtig zu wissen, wie weit sich die Erkrankung im Körper ausgebreitet hat und welche Organe betroffen sind. Auskunft darüber geben verschiedene Bild gebende Verfahren wie die Ultraschall- und Röntgenuntersuchung, die Magnetresonanztomographie (MRT), die Computertomographie (CT), die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und gegebenenfalls die Skelett-Szintigraphie. Um herauszufinden, ob auch das Knochenmark von der Erkrankung betroffen ist, wird in fortgeschrittenen Krankheitsstadien außerdem eine Knochenmarkstanzbiopsie durchgeführt und auf Lymphomzellen untersucht. (In naher Zukunft soll die Knochenmark-Biopsie durch die PET ersetzt werden.)
Untersuchungen vor Beginn der Therapie: Behandlungsvorbereitend erfolgt ferner eine Überprüfung der Herzfunktion (Elektrokardiographie (EKG) und Echokardiographie). Veränderungen, die möglicherweise im Laufe der Therapie auftreten, können aufgrund solcher Ausgangsbefunde besser beurteilt werden. Umfangreiche Laboruntersuchungen dienen dazu, den Allgemeinzustand des Patienten zu überprüfen und festzustellen, ob durch das Hodgkin-Lymphom die Funktionen einzelner Organe (zum Beispiel Nieren und Leber) beeinträchtigt sind oder Stoffwechselstörungen vorliegen, die vor oder während der Behandlung besonders berücksichtigt werden müssen. Im Hinblick auf eventuell notwendig werdende Bluttransfusionen muss eine Bestimmung der Blutgruppe erfolgen.
Gut zu wissen: Nicht alle Untersuchungen sind bei jedem Patienten notwendig. Ihr Behandlungsteam wird Sie darüber informieren, welche diagnostischen Verfahren bei Ihnen beziehungsweise Ihrem Kind zur Therapieplanung erforderlich sind.
Behandlung
Besteht oder bestätigt sich der Verdacht auf ein Hodgkin-Lymphom, muss der Patient schnellstmöglich in eine kinderonkologische Behandlungseinrichtung überwiesen werden. Dort ist das hoch qualifizierte Fachpersonal (Ärzte, Fachpflegekräfte) auf die Behandlung krebskranker Kinder spezialisiert und mit den modernsten Therapieverfahren vertraut. Die Ärzte dieser Klinikabteilungen stehen in fachorientierten Arbeitsgruppen in ständiger, enger Verbindung miteinander und behandeln ihre Patienten nach gemeinsam entwickelten und stetig weiter verbesserten Therapieplänen. Ziel der Behandlung von Patienten mit Morbus Hodgkin ist, eine hohe Heilungsrate bei möglichst geringen Nebenwirkungen und Spätfolgen zu erreichen.
Behandlungsmethoden
Im Mittelpunkt der Behandlung eines Hodgkin-Lymphoms steht die Chemotherapie. Man versteht darunter eine Behandlung mit Medikamenten (Zytostatika), die das Zellwachstum hemmen. Da ein einzelnes Medikament nicht ausreicht, um alle Lymphomzellen zu vernichten, werden Kombinationen verschiedenartig wirkender Zytostatika eingesetzt (Polychemotherapie). Auf diese Weise soll die größtmögliche Wirkung gegen die bösartigen Zellen erzielt werden. Bei einem Teil der Patienten schließt sich an die Chemotherapie eine niedrig dosierte Bestrahlung der befallenen Regionen an (Strahlentherapie).
In seltenen Fällen, zum Beispiel wenn die Erkrankung auf die übliche chemo- und strahlentherapeutische Behandlung nicht anspricht oder bei einem Krankheitsrückfall, kann darüber hinaus eine hoch dosierte Chemotherapie Hochdosis-Chemotherapie in Betracht kommen. Die verabreichte Zytostatikadosis ist bei dieser Therapie so hoch, dass auch widerstandsfähige Lymphomzellen im Körper abgetötet werden. Da dabei aber auch das Blut bildende System im Knochenmark zerstört wird, müssen im Anschluss Stammzellen der Blutbildung übertragen (transplantiert) werden. In der Regel werden diese Blutstammzellen dem Patienten vor der Hochdosis-Chemotherapie aus Knochenmark oder Blut entnommen und nach Abschluss der Behandlung wieder übertragen (so genannte autologe Stammzelltransplantation).
Besonderheiten beim Lymphozyten-prädominanten Hodgkin-Lymphom (LPHL): Gewisse Therapieabweichungen gibt es bei Kindern und Jugendlichen mit einem Lymphozyten-prädominanten Hodgkin-Lymphom: Anders als beim klassischen Hodgkin-Lymphom ist es bei diesem Typ in einem frühen Stadium der Erkrankung (IA oder IIA) möglich, auf eine Chemotherapie (und Bestrahlungsbehandlung) zu verzichten – vorausgesetzt, es ist nur ein einzelner Lymphknoten befallen und er kann ohne Gefährdung oder Verstümmelung des Patienten komplett (das ist sehr wichtig!) operativ entfernt werden. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass etwa zwei Drittel dieser Patienten auch ohne Chemo- und Strahlentherapie gesund werden. Die Patienten werden aber weiterhin regelmäßig untersucht und der Krankheitsverlauf genau überwacht (so genannte Beobachtungsstrategie). Tritt die Krankheit erneut auf, erfolgt eine Behandlung. Fast 90 % der Patienten mit Lymphozyten-prädominantem Hodgkin-Lymphom werden im Stadium IA oder IIA diagnostiziert. Für Patienten mit weiter fortgeschrittener Erkrankung ist eine Behandlung wie beim klassischen Hodgkin-Lymphom vorgesehen.
Gut zu wissen: Die Intensität und Dauer der Chemotherapie, die Notwendigkeit einer Bestrahlung oder einer Stammzelltransplantation sowie die Prognose der Erkrankung richten sich vor allem danach, wie weit sich die Krankheit zum Zeitpunkt der Diagnose im Körper ausgebreitet hat (Krankheitsstadium) und wie die Krankheit auf die Therapie anspricht. Die Form des Hodgkin-Lymphoms spielt bei der Behandlungsplanung nur eine untergeordnete Rolle (siehe Ausnahme LPHL).
Weiterführende Informationen zu den Faktoren, die bei der Therapieplanung berücksichtigt werden, finden Sie hier.
Behandlungsablauf
Chemotherapie
Die chemotherapeutische Behandlung besteht bei einem Patienten mit klassischem Hodgkin-Lymphom prinzipiell aus mehreren Therapiezyklen (Chemotherapieblöcken). Die Zahl der Zyklen und somit die Dauer und Intensität der Behandlung richten sich in erster Linie nach dem Krankheitsstadium des Patienten und infolgedessen der Therapiegruppe, in der er behandelt wird. In der Regel erhalten:
- Patienten in frühen Krankheitsstadien (Therapiegruppe 1): zwei Chemotherapiezyklen
- Patienten in mittleren Krankheitsstadien (Therapiegruppe 2): vier Chemotherapiezyklen
- Patienten mit fortgeschrittenen Krankheitsstadien (Therapiegruppe 3): sechs Chemotherapiezyklen
Jeder Therapieblock dauert etwa zwei Wochen. In den verschiedenen Therapieblöcken werden zum Teil unterschiedliche Medikamentenkombinationen verabreicht. Gängig sind zum Beispiel Prednison, Vincristin, Adriamycin (Doxorubicin) und Etoposid (kurz: OEPA) oder Prednison, Vincristin, Cyclophosphamid und Dacarbazin (kurz: COPDAC). Zwischen den einzelnen Blöcken liegen etwa zweiwöchige Behandlungspausen. Die Gesamtdauer der Chemotherapie beträgt zwei bis sechs Monate, vorausgesetzt es tritt im Laufe oder nach Abschluss der Therapie kein Rückfall auf.
Strahlentherapie
Im Rahmen der aktuellen Therapieempfehlung erfolgt bei etwa der Hälfte der Patienten im Anschluss an die Chemotherapie eine Strahlenbehandlung der vom Tumor betroffenen Körperregionen. Ausschlaggebend bei der Entscheidung für oder gegen eine Strahlentherapie ist nicht mehr (wie es bis vor kurzem der Fall war) das Krankheitsstadium des Patienten, sondern das Ansprechen der Erkrankung auf die Chemotherapie: Patienten, die nach zwei Chemotherapieblöcken bei einer Untersuchung mittels Positronen-Emissions-Tomographie (PET) ein gutes Ansprechen der Erkrankung zeigen, erhalten keine Strahlentherapie, unabhängig davon, zu welcher Therapiegruppe sie gehören. (Ein gutes Ansprechen setzt voraus, dass ein zum Zeitpunkt der Diagnose vorhandener Tumor sich um mindestens 50 % verkleinert hat und der Resttumor zudem keine lebenden Tumorzellen mehr enthält, also PET-negativ ist.)
Die Strahlentherapie beginnt in der Regel etwa zwei Wochen nach Ende der Chemotherapie. Die Standard-Gesamtstrahlendosis beträgt 20 Gy. Ist allerdings das Tumorvolumen nach den ersten beiden Chemotherapieblöcken um weniger als 75 % zurückgegangen oder liegt ein großer Resttumor (Volumen über 100 ml) vor, kann die Strahlendosis in diesem Bereich auf 30 Gy erhöht werden. Um das gesunde Gewebe in der Umgebung zu schonen, wird die Gesamtdosis nicht in einmaliger Behandlung verabreicht, sondern in kleinen Portionen von 1,8 Gy eingestrahlt. Die Behandlungszeit erstreckt sich auf zwei bis drei Wochen pro Bestrahlungsserie. Die Wochenenden bleiben in der Regel bestrahlungsfrei.
Therapieoptimierungsstudien
In Deutschland erfolgt die Behandlung von Patienten mit Hodgkin-Lymphom prinzipiell im Rahmen von Therapieoptimierungsstudien. Es handelt sich dabei um kontrollierte klinische Studien, die das Ziel haben, erkrankte Patienten nach dem jeweils aktuellsten Wissensstand zu behandeln und gleichzeitig die Behandlungsmöglichkeiten zu verbessern und weiter zu entwickeln.
Bis Anfang 2012 gab es in Deutschland (mit internationaler Beteiligung) zwei aktive Therapiestudien:
- die Studie EuroNet-PHL-C1: zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit einem klassischen Hodgkin-Lymphom und
- die Studie EuroNet-PHL-LP1: zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit einem nodulären Lymphozyten-prädominanten Hodgkin-Lymphom.
Die Studie EuroNet-PHL-C1 ist seit Januar 2012 für die Neuaufnahme von Patienten geschlossen. Bis zur Eröffnung der Nachfolgestudie werden alle Kinder und Jugendlichen, die neu an einem klassischen Morbus Hodgkin erkranken, in einem Register erfasst, das die optimale Behandlung auch in der Phase ohne klinische Studie sicherstellt. Die Therapieempfehlungen entsprechen weitgehend jenen der bisherigen Studie.
Die Studie EuroNet-PHL-LP1 ist nach wie vor aktiv. Aufgenommen werden Patienten bis zum vollendeten 18. Lebensjahr, die an einem nodulären Lymphozyten-prädominanten Hodgkin-Lymphom im frühen Stadium erkrankt sind (Krankheitsstadien IA und IIA). Die Studie wird europaweit an zahlreichen Kinderkliniken und pädiatrisch-onkologischen Behandlungszentren durchgeführt. (Für Patienten mit mittleren und fortgeschrittenen Krankheitsstadien eines Lymphozyten-prädominanten Hodgkin-Lymphoms gibt es keine Studie. Die Behandlung erfolgt aber wie beim klassischen Hodgkin-Lymphom.)
Die internationale und deutsche Studienzentrale für das Register und die laufende Studie befindet sich am Zentrum für Kinderheilkunde der Universitätsklinik Halle. Studienleiter ist Prof. Dr. med. Dieter Körholz.
Prognose
Die Heilungsaussichten (Prognose) von Kindern und Jugendlichen mit einem Hodgkin-Lymphom sind sehr gut. Über 95 % aller Patienten, das heißt mehr als neun von zehn Patienten mit dieser Krankheit, können dank der heute eingesetzten modernen Untersuchungsmethoden und intensiven standardisierten Kombinationstherapien langfristig geheilt werden – unabhängig davon, wie weit die Krankheit zum Zeitpunkt der Diagnose fortgeschritten ist. Dies ist allerdings nur dadurch möglich, dass die Behandlungsintensität (Zahl der Chemotherapiezyklen, Strahlentherapie) – im Rahmen der verschiedenen Therapiegruppen – ganz spezifisch auf die jeweilige Krankheitssituation des Patienten abgestimmt wird. Patienten mit weiter fortgeschrittener Erkrankung (Therapiegruppe II und III) bedürfen einer intensiveren Therapie als Patienten mit frühen Krankheitsstadien (Therapiegruppe I), damit sie eine vergleichbar gute Prognose haben.
Bei etwa 11 % der Patienten (unter 18 Jahren) mit Hodgkin-Lymphom kommt es – nach Angaben der Morbus-Hodgkin-Studienzentrale (Halle) – zu einem Krankheitsrückfall (Rezidiv). In der Regel können auch im Rezidivfall noch gute langfristige Behandlungsergebnisse und Heilungen erreicht werden. Die Prognose für den einzelnen Patienten hängt allerdings in erster Linie davon ab, zu welchem Zeitpunkt das Rezidiv auftritt: Patienten, die erst spät einen Rückfall erleiden (das heißt später als 1 Jahr nach Therapieende) haben mit einer zweiten Chemo- und Strahlentherapie eine sehr gute Heilungschance (10-Jahres-Überlebensraten von über 90 %). Bei Patienten mit einem Frührezidiv hingegen (Rezidivauftreten zwischen drei und zwölf Monaten nach Therapieende) ist unter Umständen eine besonders intensive Therapie (Hochdosis-Chemotherapie und autologe Stammzelltransplantation) erforderlich, um eine gute Aussicht auf Heilung zu erreichen.
Anmerkung: Bei den genannten Heilungsraten handelt es sich um statistische Größen. Sie stellen für eine große Gruppe der an einem Hodgkin-Lymphom erkrankten Kinder und Jugendlichen eine wichtige und zutreffende Aussage dar. Ob der einzelne Patient geheilt werden kann oder nicht, lässt sich individuell nicht zutreffend vorhersagen. Jedoch stellt hier die Statistik eine wichtige Abschätzung der Heilungs-Wahrscheinlichkeit dar.
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PDF-Datei der Patienten-Kurzinformation zum Morbus Hodgkin (314KB)

